User Interfaces mit Augmented Reality gestalten

Ende September war ich auf der Hausmesse bei einer der spannensten Firmen, die München zur Zeit zu bieten hat. Metaio hat sich voll und ganz auf das Thema "Augmented Reality" spezialisiert. Auf Deutsch heißt das soviel wie "Angereicherte Realität". Da werden virtuelle mit realen Informationen gemischt (daher auch die alternative Bezeichnung "Mixed Reality"). Die virtuellen Informationen können dabei direkt ins Sichtfeld (beispielsweise über eine Datenbrille) oder eben in ein Kamerabild eingeblendet werden. Eine wichtige Zielsetzung ist dabei, dass diese virtuellen Informationen lagerichtig zum realen Objekten eingeblendet werden. Beispiel: ich platziere ein Produkt vor meine Webcam und bekomme auf dem Bildschirm neben dem Produkt virtuelle Informationen angezeigt. Diese virtuellen Informationen wandern auch mit, wenn das Produkt vor der Kamera bewegt wird. Eindrucksvoll kann diese Funktionalität bei einer Lösung betrachtet werden, die metaio für Lego entwickelt hat. Hier hebt ein Kind den geschlossenen Lego-Baukasten vor eine Kamera und kann auf einem Bildschirm das fertige Legomodell bewundern (siehe Bild). Hierfür muss das reale Objekt getrackt werden (Tracking). Häufig werden hierfür Marker eingesetzt. Metaio hat allerdings eine Technologie für das markerlose Tracking entwickelt.

Für die Gestaltung von User Interfaces ist diese Technologie immer dann interessant, wenn neben Rechner und Display noch eine Kamera ins Spiel kommt. Viele PCs verfügen inzwischen über eine Webcam, aber auch ein Mobiltelefon mit Kamera ist ein potentielles Gerät für Augmented Reality. Metaio demonstrierte das Anwendungspotential mit einem Kartenspiel. Die Spielkarten wurden durch eine Webcam erfasst (siehe Bild). Am Bildschirm erwachen die Charaktere, die durch die Spielkarten symbolisiert werden, zum Leben. Wenn man die Karten näher zusammenschiebt, dann beginnen sie zu kämpfen. Zusatzkarten, die man dazulegt, können die Eigenschaften der Charaktere verändern, z.B. die Kampfkraft erhöhen.

Das Spiel ist ein schönes Beispiel, wie die Grenze zwischen realen und virtuellen Objekten verwischen. Anwendungen dazu gibt es bereits in der Werbung, beispielsweise für das Mini Cabrio. Hält man eine entsprechende Print-Werbung vor eine Webcam bekommt man ein 3D-Modell des Mini Cabrios auf dem Bildschirm, welches man dann durch drehen der Anzeige von allen Seiten betrachten kann. Erfreulicherweise gibt es inzwischen auch eine ganze Reihe von komfortablen Werkzeugen. Das Beispiel mit den Spielkarten wurde mit einem entsprechenden Workflow Authoring Tool von metaio entwickelt. Hier wird das Verhalten einfach grafisch mittels Funktionsbausteine programmiert.

Spannend wird der angekündigte Launch der Augmented Reality mobil Plattform Junaio. Dort können mittels Mobiltelefon und Kamera virtuelle Objekte in der realen Umwelt angezeigt und angelegt werden. Metaio behauptet, dass Junaio mehr als nur eine positionsbezogene (location-based) Multimedia-Darstellung ist. Durch den Einsatz von Augmented Reality soll sich die Orientierung des Benutzers wesentlich verbessern und die Interaktion einfacher, aber auch spannender werden. Nun bin ich gespannt.

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