

Begriffe und ihre Geschichte
Was unterscheidet Benutzerfreundlichkeit von Usability und Gebrauchstauglichkeit? Und woher kommen die Begriffe?
Arbeitsschutz und Ergonomie als menschengerechte Arbeitsgestaltung haben eine Historie, die bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts zurück reichen. Die Idee, dass ein Werkzeug an den Menschen angepasst werden muss, entstand zunächst weniger aus Menschenfreundlichkeit als aus ökonomischen Interessen. Die Arbeitsleistung des Menschen sollte möglichst optimal genutzt und erhalten werden, damit sie dem Arbeitgeber möglichst komplett und lange zur Verfügung steht.
Mit dem Aufkommen interaktiver Computersysteme, an denen mehr als nur wenige Spezialisten saßen, entstand der Bedarf, auch die Arbeit am Computer menschengerecht zu gestalten. Zunächst beschränkte man sich darauf, dass die Ein-/Ausgabegeräte ergonomisch sein mussten, doch man entdeckte bald, dass auch die kognitiven und wahrnehmungspsychologischen Fähigkeiten des Menschen berücksichtigt werden musste: Der Begriff der "Benutzerfreundlichkeit" geboren, wobei das "freundlich" ähnlich dem "freundlich" in "hautfreundlich" ursprünglich als "zum Benutzer freundlich / für ihn angenehm" verstanden wurde (Anmerkung: So wird auch klar, warum der Begriff "Benutzungsfreundlich", der als politisch korrekter eingefügt wurde, keinen Sinn macht).
Dieser unspezifische Begriff wurde zunächst als "Usability" (deutsch: "Gebrauchstauglichkeit") normenfest definiert, gesetzlich verankert und schließlich und endlich auch ein selbstverständlicher Anspruch an die Qualität eines interaktiven Produktes.
Der Begriff der Gebrauchstauglichkeit, der eben nicht nur die menschengerechte Gestaltung sondern auch die Anpassung an die eigentliche Aufgabe beinhaltet, ist die strengere Definition für den Wunsch nach Benutzerfreundlichkeit. Dieser Begriff findet sich dann auch in den offiziellen Standards zu diesem Thema.
Doch handlicher, verbreiteter und vor allem intuitiver ist sicher der Begriff "Benutzerfreundlichkeit". Und schließlich muss ja auch die Begrifflichkeit selbst nutzerfreundlich sein. Im englischen Sprachraum spricht man allgemeiner von "Usability". Dieser Begriff wird hier parallel und synonym auch verwendet und gemeint ist immer das Produkt aus (nach ISO 9241 Teil 11):
Im Abschnitt Testing zeigen wir Ihnen, wie man diesen Anspruch feststellen kann. Um ihn zu erfüllen, bieten wir Ihnen ' Beratungen und ' Schulungen, in denen wir Ihnen die Hauptprinzipien ("Dialogprinzipien") der Usability erläutern und in Ihrem spezifischen Kontext umsetzen helfen (nach ISO 9241 Teil 10):
Diese Prinzipien gelten für Wasserhähne genauso wie für komplexe Software oder Websites. Sie sind allgemeingültig und müssen dann an den jeweiligen Kontext angepasst werden.
Entscheidend ist, dass eine Bewertung immer kontextabhängig ist. Es gibt nicht gute oder schlechte Software, Websites oder Werkzeuge, sondern es gibt immer nur eine Aussage über die Tauglichkeit für einen bestimmten Zweck und bestimmte Benutzer. Es lässt sich seriös immer nur sagen: "Das System XY kann von der Benutzergruppe Z effektiv, effizient und zufrieden stellend genutzt werden, um Aufgabe A zu bewältigen." (nach ISO 9241 Teil 11). Die Kunst des Usablity-Engineerings, also der Dienstleistungen rund um die Benutzerfreundlichkeit, besteht gerade darin, die Aufgaben und Nutzergruppen zu identifizieren, zu analysieren und daraus kontextspezifische Anforderungen an das System abzuleiten.
Dabei steht Usability immer auch im Verbund mit anderen Qualitätsmerkmalen wie funktionalen Qualitätsmerkmalen (vgl. auch ISO 12119) wie Korrektheit, Wartbarkeit, Sicherheit aber auch "hedonischen" (nach Hassenzahl) Kriterien, wie Spaß, Stimulanz und Ästhetik. Im Zweifelsfall bestimmt immer das schwächste Glied die Gesamtqualität.
Die Usability ist deshalb nicht nur aus Marketingsicht ein relevanter Qualitätsfaktor. Ist etwas "unhandlich" oder "unpraktisch" werden Endbenutzer es ablehnen. Das wirkt sich auf die Arbeitsleistung aber natürlich auch auf die Kaufentscheidungen aus. Da hilft es dann wenig, wenn hinter einer rauen Schale ein guter Kern steckt.
Deshalb muss die Usability neben den anderen Qualitätsbegriffen im Projekt bereits verankert werden. Nur gemeinsam mit den anderen Disziplinen entsteht dann daraus ein für den Kunden gutes Produkt.
Für die Herstellungsprozesse bedeutet dies, dass neben einer allgemeinen Qualitätsmanagementorganisation (vgl. ISO 9000, 9003 und andere) auch die Sicherstellung einer aufgaben- und nutzerzentrierten Entwicklung (siehe ISO 13407) .
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